Diakonie Mitteldeutschland

17.02.2006 | Diakoniebericht auf Thüringer Landessynode

Diakoniebericht von OKR Eberhard Grüneberg auf Thüringer Landessynode

Wenn Armut Mauern baut …
Inzwischen können sich viele Menschen nicht mehr regelmäßig die Dinge des täglichen Bedarfs leisten. Die Tafeln verzeichnen eine größere Nachfrage an Lebensmitteln, aus Kleiderkammern werden Sozialkaufhäuser, die ein breiteres Angebot an preiswerten Konsumgütern bereitstellen und Suppenküchen sind keine Einrichtungen des vergangenen Jahrhunderts mehr, sondern werden in unserem reichen Land dringend gebraucht und aufgesucht.

Immer wieder geschieht es aber, dass beim Hinweis auf Armut und die Problematisierung dieses Faktes hierzulande entgegnet wird, dass - verglichen mit anderen Regionen der Welt - in Deutschland die Menschen nicht wirklich arm seien und es somit eher ungerechtfertigt und eigentlich sogar undankbar sei, angesichts der vielen staatlichen Transferleistungen an von Armut und Ausgrenzung bedrohten Menschen Deutschland als ein Land zu benennen, in dem das Thema Armut wirklich eine Rolle spielt.

Das sehen wir in der Diakonie Mitteldeutschland anders! Diese andere Sicht beruht auf den Erfahrungen und Problemlagen, die unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den jeweiligen Arbeitsfeldern machen - in der Ehe-, Familien- und Lebensberatung, in den Kreisstellen, in den Schuldnerberatungsstellen und eben auch und gerade mit den verschiedenen o. g. Angeboten - und mit denen sie umzugehen haben. Sie beruht aber auch auf der statistisch nachweisbaren Entwicklung über Menschen in prekären Lebenslagen und dem Nachdenken darüber, welche Auswirkungen es auf die Zukunft unserer Gesellschaft hat, wenn die Zahl der Menschen immer größer wird, die nicht mehr am Aufbau der Gesellschaft beteiligt sind - wenn also die Zahl derer wächst, die von Kindheit an auf Transferleistungen angewiesen sind und also erleben, dass sie in der Gesellschaft im Grunde nicht gebraucht werden.


Das besondere Problem: Armut bei Kindern
Nimmt man bereits angesprochene und noch andere Indikatoren für Armut und soziale Ausgrenzung aus den Bereichen Schule, Bildung, Freizeit, soziale Kontakte, Wohnen und Gesundheit hinzu, so zeigt sich in Deutschland insgesamt ein großes Armutsrisiko, besonders aber bei Kindern und Jugendlichen. Die individuelle und soziale Langfristwirkung auf diese Jugendlichen, die im Umfeld von Armut aufwachsen, ist für die Forschung erst in den Anfängen und für die Politik bislang eher kaum im Blick. Aber gerade diese ganzen soziokulturellen Faktoren sind es, die, sofern man sie nicht im Blick hat, die Gesellschaft später doppelt und dreifach so teuer zu stehen kommen, als wenn jetzt schon effizient entgegen gesteuert würde: zum Beispiel mit einem existenzsichernden Kindergeld, das eben genau die Teilhabe am soziokulturellen Leben ermöglicht.


Steuerpolitik als diakonisches Thema
Es mutet vielleicht auf den ersten Blick etwas eigentümlich an, aber das Problem „öffentliche Armut“ hat natürlich unmittelbare Auswirkungen auf das System der Subsidiarität, in dem sich die Arbeit der Diakonie vollzieht. Für uns sind „sozialstaatliche Ausgaben Investitionen in Gerechtigkeit und in eine zukunftsfähige Gesellschaft“[2]. „Öffentliche Güter wie Gesundheit, Bildung und soziale Sicherheit beziehen ihre gesellschaftliche Anerkennung daraus, dass sie, von allen finanziert, auch allen in gleichem Maße zugänglich sind. Sie konkretisieren soziale Rechte, wie das Recht auf soziale Sicherheit, Gesundheit, Bildung, Wohnung und Arbeit. Öffentliche Güter sind keineswegs einzusparende Subventionen, wie Politiker Sparbeschlüsse begründen, sondern sie sind soziale Rechte und Ausdruck institutioneller Solidarität.“


Der ganze Text hier:
 
 
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