Diakoniepräsident Kottnik in Eisenach

Eisenach (epd, gekürzt).
Die Diakonie lehnt das umstrittene Betreuungsgeld ab, sagte der Präsident des evangelischen Wohlfahrtsverbandes, Klaus-Dieter Kottnik, am 21. Februar vor Journalisten in Eisenach. Das in Thüringen seit 2006 gezahlte Betreuungsgeld werde besonders von finanziell schlechter gestellten Familien für den regulären Lebensunterhalt genutzt und komme daher nicht den Kindern zugute.
Auch bei einer bundesweiten Einführung des Betreuungsgeldes müsse davon ausgegangen werden, dass das Geld nicht für die Bildung und Erziehung verwendet wird, sagte Kottnik. Damit würden Kinder aus ärmeren Verhältnissen in ihrer Entwicklung beeinträchtigt. Als Alternative bezeichnete der Diakoniepräsident den flächendeckenden Ausbau der Kindertagesstätten als Bildungsstätten und den Aufbau von Familienzentren. Zudem müssten Kinder aus sozial schwachen Familien über Netzwerke in Bildungsangebote einbezogen werden.
In Thüringen ist nach Angaben des Statistischen Landesamtes durch die Einführung des Betreuungsgeldes die Zahl der zwei- bis dreijährigen Kinder in den Kindertagesstätten um sieben Prozent zurückgegangen. Eltern erhalten nur dann den vollen Betrag von 300 Euro, wenn sie ihr Kind im dritten Lebensjahr zuhause betreuen. Andernfalls wird der Betrag an die Kindereinrichtung gezahlt. Diese "Wahlfreiheit" gebe es jedoch für sozial Schwache "nur theoretisch", sagte der Vorstandsvorsitzende der Diakonie Mitteldeutschland, Oberkirchenrat Eberhard Grüneberg.

https://www.diakonie-mitteldeutschland.de/archiv_2008_diakoniepraesident_kottnik_in_eisenach_de.html