Nach der Wahl ist vor der Wahl

Egal, wie die Thüringenwahl ausgeht, wir müssen an den Themen dran bleiben und suchen mit allen Fraktionen das Gespräch. Nach der Wahl ist vor der Wahl.“, erklärte Kathrin Weiher zum Abschluss einer intensiven Debatte am 28. August in Schleusingen.

Ein drohender Fachkräftemangel in der Pflege, künftig steigende Zahlen der Pflegebedürftigen, neue Wohnformen im Alter, menschenwürdige und individuelle Begleitung auf dem letzten Lebensweg – der Strauß an politischen Fragen zum Thema Altenhilfe, Pflege und Hospiz ist bunt und groß. Die Diakonie Mitteldeutschland hatte im Juli eigene Wahlprüfsteine mit mehr als 50 Fragen an die Landesgeschäftsstellen der Parteien im Freistaat verschickt. Die Wahlprüfsteine sollten zum einen den Abgeordneten des nächsten Landtages Aufschluss darüber geben, zu welchen Fragen die Diakonie mit Ihnen ins Gespräch kommen will, zum anderen sollten sie evangelischen Kirchengemeinden und Mitarbeitenden in Diakonischen Einrichtungen Hilfestellung sein für Kandidatengespräche vor Ort.

Das Wahlgespräch am Freitag war das letzte von sieben Podien in ganz Thüringen im heißen Wahlkampfmonat August. Für diese Debatte hatten David Eckhardt (SPD), Beate Liehmann (Freie Wähler), Maik Nothnagel (DIE LINKE) und Astrid Rothe-Beinlich (Bündnis90/ Die Grünen) zugesagt. Auch CDU und FDP waren eingeladen, konnten oder wollten für das Gespräch aber nicht zusagen – was prompt zu kritischen Nachfragen aus dem Publikum führte. „Die CDU hat sich mit unseren Nachfragen und Einladungen etwas schwer getan.“, formulierte Kathrin Weiher bewusst vorsichtig.

Dabei hätte man sicher auch mit den Kandidaten von CDU und FDP zu vielen Fragen schnell einen fachlichen Konsens gefunden. Leben im Alter und Altenpflege stehen ob der demografischen Entwicklung im Freistaat bei allen Thüringer Parteien auf der Agenda weit oben. Nachdem Gastgeber Jörg Rosenthal, Geschäftsführer im Wilhelm-Augusta-Stift, einen historischen Überblick über die Arbeit in seiner Einrichtung gab, ging es auf dem Podium sehr schnell zum Kern des Problems. Nicht zuletzt deshalb, weil Maik Nothnagel und Astrid Rothe-Beinlich sehr anschaulich von persönlichen Erfahrungen im Umgang mit Pflege und Demenz berichten konnten, während sich David Eckhardt und Beate Liehmann als echte Experten im Bereich Altenhilfe und Hospizarbeit vorstellten.

Drei Tage zuvor, am 25. August, trafen sich Diakoniemitarbeitende mit Politikern in Saalfeld, um in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen über die Integration von Behinderten zu sprechen. Gerhard Günter (CDU), Dagmar Künast (SPD) und Jennifer Schubert (Die Grünen) diskutierten mit Kathrin Weiher und dem Publikum über die Zukunft der Werkstätten, die Personalsituation in den Wohnheimen und den Einfluss von politischen Entscheidungen auf die Gesellschaft, von der sich Menschen mit Behinderungen noch immer wünschen, dass eine bessere Integration und mehr Selbstbestimmung erreicht werden. Die Betroffenen formulierten denn auch sehr selbsbewusst ihre Fragen: wie es um die Kostensätze steht, warum es in Wohnheimen Personalmangel gibt und wie die Deutsche Bahn dazu gebracht werden kann, Barrieren am Bahnsteig wirklich abzubauen.

https://www.diakonie-mitteldeutschland.de/archiv_2009_nach_der_wahl_ist_vor_der_wahl_de.html