Der letzte Zivi

Morgen startet der neu geschaffene Bundesfreiwilligendienst. Den Zivildienst gibt es dann nicht mehr. Eine Erfolgsgeschichte in der sozialen Arbeit und der gesellschaftlichen Verantwortung endet nach genau 50 Jahren. Doch die Zivis verschwinden nicht von einem Tag auf den anderen.

Max Zepezauer ist vielleicht der letzte Zivi in Mitteldeutschland. Der 20jährige arbeitet seit Oktober letzten Jahres im Diakoniekrankenhaus Martha-Maria in Halle-Dölau. Jetzt hat er seine Dienstzeit verlängert und wird noch bis zum 31. Dezember den Krankenhausbetrieb im Hol- und Bringedienst für die Patienten unterstützen. In den letzten Jahren traten längst nicht mehr alle dienstfähigen jungen Männer tatsächlich auch den Wehr- oder Zivildienst an. „Ich wollte meinen Zivildienst machen und habe mich um die Stelle beworben“, sagt Max Zepezauer. Für ihn ist die Arbeit im Krankenhaus Teil seiner Berufsvorbereitung. Zuvor hat er in Eisleben an einer berufsbildenden Schule den theoretischen Teil für die Fachhochschulreife erworben. Den Abschluss bekommt er, wenn er in drei verschiedenen Berufsbereichen ein Praktikum nachweist. Der Zivildienst im Krankenhaus wird hierfür anerkannt.

Max Zepezauer arbeitet gern im Krankenhaus Martha-Maria. Er ist aus dem gut 40 Kilometer entfernten Querfurt nach Halle gezogen, lebt jetzt in einer Wohngemeinschaft. Knapp neun Stunden Dienstzeit inklusive Pausen, ein gutes Taschengeld und Verpflegung, die Atmosphäre im Kollegenkreis ist gut. Die Frühschicht beginnt 6 Uhr, Spätschichten enden um 22 Uhr. Der junge Mann sagt, dass ihn die Zeit im Krankenhaus prägt und dass er spannende Einblicke bekommt in verschiedene Arbeitsbereiche. „Der Umgang hier mit den Patienten – das hat mir gefallen.“ Trotzdem sieht er seine berufliche Zukunft nicht in der sozialen Arbeit. Im Herbst will er sich entscheiden für ein Studium oder eine Berufsausbildung. Vielleicht in Richtung Maschinenbau oder eine Arbeit im Büro.

Der Zivildienst war ein Lerndienst. Hier sind viele junge Männer erstmalig mit sozialer Arbeit in Kontakt gekommen“, sagt Oberkirchenrat Eberhard Grüneberg. Mehr als 400 Zivildienststellen gab es in den Einrichtungen der Diakonie in Sachsen-Anhalt und Thüringen. „Dass es jetzt den Bundesfreiwilligendienst gibt, folgt einer Erwartung, die auch die Diakonie an die Bundesregierung gerichtet hat. Dafür sind wir dankbar. Doch der Bundesfreiwilligendienst kann die Arbeit der Zivis nicht ersetzen.“ 160 Plätze im Bundesfreiwilligendienst sollen in den Einrichtungen der Diakonie Mitteldeutschland besetzt werden. Bisher gibt es nur knapp 40 Bewerbungen. „Die notwendigen gesetzlichen Regelungen kamen viel zu spät. Wir konnten das Bewerbungsverfahren erst im Mai starten. Die Vorstellungen davon, was eine Tätigkeit im Bundesfreiwilligendienst sein kann und wer sich dafür interessieren soll, sind viel zu undeutlich“, kritisiert Grüneberg. Dennoch geht die Diakonie Mitteldeutschland davon aus, dass der Bundesfreiwilligendienst für viele Menschen eine Chance bietet, soziale Arbeit zu stärken und berufliche Orientierung zu finden.

Max Zepezauer räumt ein, dass er vom Bundesfreiwilligendienst noch nichts gehört hat. Er bedauert, dass der Zivildienst bald Geschichte ist: „Wir Zivis werden schon jetzt durch Festangestellte ersetzt. Damit werden die Kosten für die Krankenhäuser weiter steigen.“

https://www.diakonie-mitteldeutschland.de/archiv_2011_der_letzte_zivi_de.html