Beobachtet: Situation abgschobener Roma

Wie ergeht es Roma-Familien in Serbien, die zuvor in Deutschland gelebt haben? Finden Sie nach der Abschiebung einen würdigen Ort zum Leben?

Das Referat für Migration und Europapolitik der Diakonie Mitteldeutschland führte im Juni eine Multiplikatorenreise nach Serbien durch. Die einwöchige Reise wurde gemeinsam organisiert mit Petra Albert, der Beauftragten für Migration und Interreligiösen Dialog der EKM.

An der Multiplikatorenreise nahmen insgesamt acht haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Kirche und Diakonie, der Caritas und eine Rechtsanwältin der Kanzlei Hiemann teil.

Die Reisenden wollten durch eigene Anschauung und Gespräch vor Ort ihre Kenntnisse über die Situation von Roma in Serbien vertiefen. Finden die Familien eine Wohnung? Vor allem auch dann, wenn der Abriss illegaler Siedlungen verfügt wurde? Haben Roma in Serbien Zugang zu medizinischer und psychosozialer Versorgung, bekommen sie bei Bedarf Sozialhilfe und Familiengeld? Wie leben die Kinder unter den neuen Bedingungen, können sie eine Schule besuchen? Gibt es Diskriminierung und Übergriffe?

Im Ergebnis der Reise wird nun ein Bericht verfasst, der Politikern, Rechtsanwälten und gegebenenfalls Gerichten grundlegende Hinweise geben soll, um auf eine Einzelfallprüfung der vorgebrachten Asylgründe hier in Deutschland einzuwirken.

Es gab Kontakte und Gespräche in Serbien mit Romafamilien, NGO’s, offiziellen Regierungsstellen (Gesundheitsministerium), engagierten Pfarrern und Vertretern der Deutschen Botschaft. Außerdem fanden Gespräche und Besuche in Roma-Siedlungen in den Städten Leskovac und Vranje und Novi Sad statt.

Die Kontakte zu den Romafamilien haben uns tief beeindruckt. Die Tochter einer aus Deutschland abgeschobenen Romafamilie aus dem Kosovo berichtete in fließendem Deutsch, dass sie mit zwei Jahren nach Deutschland eingereist war, wo sie dann 15 Jahre lebte. In Deutschland konnte sie die Hauptschule abschließen.

Nach der Abschiebung nach Serbien kann sie die Mittelschule nicht besuchen, da sie über keine serbischen Sprachkenntnisse verfügt. Mit Hilfe von EHO (NGO in Novi Sad) konnte sie eine Ausbildung als Frisörin absolvieren. Ein Haarschnitt kostet umgerechnet etwa 2,50 Euro. Im Monat hat sie etwa fünf Kunden. Ihre Familie hat keine Registrierung, es gibt Probleme mit den Dokumenten aus dem Kosovo.

Kaum eine aus Deutschland abgeschobene Familie hat Arbeit gefunden. Nur etwa ein Prozent der Roma hat Arbeit in Serbien. Ganze Familien leben ohne sanitäre Anlagen in einem Raum zusammen. Der Zugang zu Bildung und Sozialleistungen ist extrem erschwert. In Leskovac versucht eine evangelische Kirchengemeinde, die Not der Roma zu lindern. Für uns entstand sehr deutlich der Eindruck, dass Roma in Serbien weitgehend diskriminiert werden.

Ferenc Makk

https://www.diakonie-mitteldeutschland.de/archiv_2012_beobachtet_situation_abgschobener_roma_de.html