Woche für das Leben in Dessau

Theresa klatscht vor Vergnügen in die Hände, greift nach der Rassel, wirft Gummiringe auf den Boden, gluckst und lacht. Das kleine Mädchen, 13 Monate alt, fühlt sich auf dem Schoß der Mutter wohl und offenbar auch im Kreis dieser etwas ungewöhnlichen Gemeinschaft. Die Krabbelgruppe, die Theresa mit ihrer Mutter Ana Bischoff regelmäßig besucht, traf sich am 26. April erstmals auf der Station der Kurzzeitpflege im Diakonie- und Gemeindezentrum St. Georg in Dessau. Anlass ist die Woche für das Leben 2012 mit ihrem aktuellen Motto „Mit allen Generationen“.

So eine Begegnung von drei und mehr Generationen zu organisieren, ist für die Dessauer Diakonie-Mitarbeitenden keine große Hürde: die Beratungsstellen, die Sozialstation und die Kurzzeitpflege finden sich unter einem Dach, das Haus wurde direkt an die Gemeindekirche angebaut.

Gemeindepfarrer Martin Günther greift zur Gitarre und lädt zum Mitsingen ein. In der Andacht spricht er die Älteren direkt an, fragt nach Kindern und Enkeln. Manche der jungen Mütter im Kreis gehören zur Enkel-Generation der über 80-jährigen – Theresa könnte die Urenkelin sein, die selten zu Besuch kommt, weil junge Familien auch aus Dessau häufig wegziehen.

Zuwenden, anfassen, miteinander reden, gehören in der Andacht von Martin Günther unbedingt dazu: „Konzentrierte Wahrnehmung ist vor allem für die alten Menschen gut. Sie lassen sich auf diesen Austausch gut ein und die Begegnung weckt die Erinnerung an die eigenen Kinder und Enkelkinder.“

Ines Tinneberg ist Beraterin in der Schwangerenberatung. Sie betreut mehrere Krabbelgruppen. Einige der jungen Mütter hat sie in einem Beratungsgespräch kennengelernt, andere wurden nach der Geburt ihres Kindes durch die Hebamme auf das Angebot der Diakonie Dessau aufmerksam gemacht. In den regelmäßigen Treffen werden Tipps ausgetauscht, Fragen der Gesundheitsvorsorge und der Erziehung besprochen, auch die Veränderungen in der eigenen Familie und im Lebensalltag thematisiert. Schnell entstehen neue soziale Beziehungen und Freundschaften. Theresas Eltern sind erst vor ein paar Monaten von Hannover nach Dessau gezogen. Mutter Ana, 30 Jahre, ist Staatsanwältin, hat in Hannover ihre ersten Karriereschritte gemacht und sich dort sehr wohl gefühlt. Nun ist die kleine Familie einem Stellenangebot des Vaters gefolgt und Ana Bischoff ist „fast euphorisch, weil es uns hier sehr gut geht.“

Es wird gelacht, gesungen, freundlich genickt und berührt an diesem Vormittag in der großen Wohnküche der Kurzzeitpflege. Verabredungen werden getroffen. Auch die, dass diese Begegnung zwischen den Generationen bald wiederholt werden soll – wenn möglich im schönen Garten, der auch zum Diakonie- und Gemeindezentrum in Dessau gehört.

https://www.diakonie-mitteldeutschland.de/archiv_2012_woche_fuer_das_leben_in_dessau_de.html