Der geheimnisvolle Ort - Andacht zur Jahreslosung 2013

Ist diese Welt ein guter Ort? Jeder Mensch macht in seinem Leben Erfahrungen, die er als bedrückend und schwierig erlebt - der Glaubende ebenso wie jemand, der keinen Sinn im Ganzen sieht. Der Glaubende aber ist davon überzeugt: Die Welt ist von Gott geschaffen. Sie ist der Ort, an den mich Gott gestellt hat. Deshalb ist sie ein guter Ort. Ein Ort, an dem ich mich bewähren und entfalten kann mit dem, was Er mir auf meinen Lebensweg mitgegeben hat, ein Ort, den ich im Sinne Gottes gestalten soll. Aber es kommt immer darauf an, wie ich die Welt verstehe.Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Die Situation am Ende des ersten Jahrhunderts gleicht der Glaubenssituation unserer Zeit: Die Christen sind müde geworden, weil sie nichts sehen vom Heil, das Christus gewirkt haben soll. Die Welt mit ihren abgründigen Problemen lässt nichts erkennen von der Herrschaft Jesu Christi und so verblasst die Hoffnung nach und nach. Der Verfasser des Hebräerbriefes will die Menschen seiner Zeit und uns Heutige trösten und uns die Augen öffnen für das Heil, an dem wir jetzt schon teilhaben. Er glaubt, dass wir einen Anker hineingeworfen haben in das Heilige Zelt, das jenseits dieser Welt ist. Und weil wir schon jetzt in diese jenseitige Welt hineinreichen, sind wir der Macht dieser Welt entrissen und frei – mitten in den Bedrängnissen dieser Welt. Was für ein schöner und tröstlicher Gedanke. Ich sage ihn mir oft zu, abends, wenn ich den Tag zurück in Gottes Hände lege. Indem ich mich so vergesse, komme ich zur Ruhe und der Lärm meiner Gedanken und Gefühle hört auf. Dann bin ich endlich angekommen – ich bin endlich daheim.Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Daheim sein kann man nur, wenn man dem Geheimnis, dem Bild der zukünftigen Stadt vertraut. Denn der Mensch sucht sein Leben lang nach dem Ort, an dem er vertrauen kann, dem Ort, der alle seine Kräfte bindet und alle Sehnsüchte erfüllt, dem Ort, an dem er anbeten und niederfallen kann. Es gibt diesen geheimnisvollen Ort – schon jetzt. Er will gesucht, von uns aufgesucht werden. Das Urbild des suchenden und anbetenden Menschen sind für mich die Magier, die auf die Sehnsucht ihres Herzens hören, auf den Stern, der am Firmament aufgetaucht ist. Die Magier machen sich nun auf, das göttliche Kind zu suchen. Sie gehen verschlungene Wege, um endlich in das Haus einzutreten, in dem sie wahrhaft zu Hause sein können, das Haus, in dem das göttliche Kind wohnt. Sie treten ein und fallen vor ihm nieder. Sie breiten vor ihm ihre Schätze aus: das Gold als Zeichen ihrer Liebe, den Weihrauch als Zeichen ihrer Sehnsucht und die Myrrhe als Zeichen ihrer Schmerzen.

Liebe, Sehnsucht und Schmerzen sind es, die auch wir an den geheimnisvollen Ort bringen können und unsere Gaben werden gewiss angenommen.
Ich wünsche Ihnen für das kommende Jahr, dass es für Sie ein Gesegnetes wird und Sie mit Ihren Gaben vertrauend und anbetend auf der Suche bleiben können.Eberhard Grüneberg

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