Demokratie gewinnt - so wird man Demokratieberater

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(02. Mai 2018) „Als der Umgang mit Geflüchteten in unserer Kirche mit der Gemeinde besprochen wurde, gab es dort wortwörtlich eine Spaltung. Die Befürworter des Kirchenasyls saßen auf der einen Seite der Kirche, die Gegner auf der anderen Seite. Die Frage nach dem Umgang mit Geflüchteten hat die Gemeinde tief gespalten.“, so erinnert sich Christian Heyder an eine von vielen Beobachtungen und Erfahrungen, der ihn dazu gebracht haben sich zum Demokratieberater ausbilden zu lassen. Heyder ist Ehrenamtskoordinator im Burgenlandkreis (Sachsen-Anhalt) und betreut die Lokale Netzwerkstelle für Ehrenamtliche in der Arbeit mit Geflüchteten. Wie viele andere in Diakonie und Kirche ist er in seiner Arbeit immer wieder mit Rechtsextremismus und Ausgrenzung konfrontiert. Für seine Tätigkeit versprach er sich daher viel von einer zusätzlichen Qualifikation, die ihn zum „Demokratieberater“ ausbildet.
Was genau ist ein Berater für demokratische Prozesse? Wie sieht die Ausbildung aus?

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Bei der Gestaltung demokratischer Prozesse arbeiten die Demokratierberater eng mit den Einrichtungsleitungen zusammen. (Foto: Tristan E. Fürstenau)

Wie wird man Berater für demokratische Prozesse?
Die Qualifikation ist Teil des Projektes „Demokratie gewinnt! In Sachsen-Anhalt und Thüringen“ und steht allen Mitarbeitenden in Diakonie und Kirche offen, die an wichtigen Schnittstellen der Einrichtung arbeiten, gesellschaftlich engagiert sind oder ehrenamtliche Arbeit koordinieren. Interessierte lernen in einem 10-tägigen Seminar Wichtiges über Haltung und Umgang mit Differenzen, Analysekonzepte zur Konfliktbearbeitung, Kommunikationstechniken, der Bedeutung von Demokratie und der Beteiligung im Arbeitskontext sowie über Ausgrenzung in unterschiedlichen Facetten und über die Entstehung von Diskriminierung.

„Die unterschiedlichen Beratungsansätze waren für mich besonders interessant. Ich besitze einen theologischen Hintergrund und habe hier im Seminar viel Neues in diesem Bereich erfahren, das für meine Arbeit sehr wertvoll ist.“, erinnert sich Christian Heyder an die Seminarinhalte.

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Zur Zertifkatsübergabe gehörte auch ein intensiver Austausch über Rahmenbedingungen und Anwendungsfelder demokratischer Prozesse (Foto: Tristan E. Fürstenau)

Was tut ein Berater für demokratische Prozesse?
„Die Inhalte des Seminars helfen mir besonders im Umgang mit den Ehrenamtlichen. Viele besitzen einen kirchenfernen Hintergrund und werden für ihr Engagement von Freunden und sogar in der eigenen Familie angefeindet. Hier sehe ich einen wichtigen Ansatzpunkt.“, sagt Christian Heyder über die praktische Anwendung der Qualifizierung.

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Am 29. Januar erhielten die neu ausgebildeten Demokratieberaterinnen und -berater ihre Zertifikate. Die Ausbildungsrunde 2018 hat am 9. April im Kloster Hedersleben begonnen. (Foto: Tristan E. Fürstenau)

Mit Zertifikat an den Start
29. Januar 2018. Heute erhalten die glücklichen neuen Demokratieberater und –beraterinnen ihre Zertifikate. Viele Vorgesetzte sind zu der Veranstaltung gekommen. Vor der Verleihung wird in Kleingruppen über die verschiedenen Anwendungsfelder des Gelernten diskutiert. Die kollegiale Fallberatung steht hier im Zentrum: Wie kann man einschreiten, sollte es in der eigenen Einrichtung zu Anfeindungen und Diskriminierungen kommen? Wie wird man zur „Vertrauensperson“ für die Kollegen? Wie kann man Tabuthemen in Kirche und Diakonie aufgreifen und durchbrechen? Wie findet man Austauschplattformen zum Beispiel mit Politikerinnen, Verwaltungsbeamten, Jugendlichen und anderen wichtigen Gesprächspartnern?
Auch nach dem Abschluss des Kurses bleiben die ausgebildeten Beraterinnen und Berater in einer Fachgruppe in engem Kontakt. Derzeit umfasst diese Fachgruppe in Mitteldeutschland 60 Ausgebildete.
„Wenn du mehr über dich selbst, deine eigene Einstellung zur Demokratie und Werten erfahren willst, dann bist du in diesem Qualifikationsangebot genau richtig.“, so Christian Heyders Fazit nach der Zertifikatsübergabe

Hintergrund:
Der Kurs „Beraterinnen und Berater für demokratische Prozesse“ wird von der Diakonie Mitteldeutschland im Projekt „Demokratie gewinnt! In Sachsen-Anhalt und Thüringen“ durchgeführt. Der Kurs steht allen Haupt-und Ehrenamtlichen in Diakonie und Kirche offen, die demokratische Prozesse gestalten wollen. Ausgebildete Beraterinnen und Berater werden Teil der Fachgruppe „Demokratie gewinnt“, die sich dreimal im Jahr zum kollegialen Austausch und zur Weiterbildung trifft. Das Projekt in der Diakonie Mitteldeutschland vernetzt sich eng mit den anderen Projekten „Demokratie gewinnt!“ in den Diakonie-Landesverbänden Sachsen, Berlin-Brandenburg-Schlesische-Oberlausitz und Hessen-Nassau. Der fünfte Kurs startete dieses Jahr am 9. April im Kloster Hedersleben. Auch 2019 soll es einen weiteren Kurs geben. Alle Informationen zum Kurs und
zur Anmeldung finden Sie auf unserer Webseite.

https://www.diakonie-mitteldeutschland.de/blog_demokratieberatung_qualifikation_de.html