07.12.2007

Kindeswohl braucht nachbarschaftliche Hilfe und professionelle Vernetzung

Die jüngste Häufung von Fällen der Kindeswohlgefährdung und Kindstötung fordern ein breites öffentliches Nachdenken darüber, wie Gewalt gegen Kinder verhindert werden kann. „Das Thema ist für uns vor dem Hintergrund der aktuellen grausamen Nachrichten nicht neu.“, so Oberkirchenrat Eberhard Grüneberg, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Mitteldeutschland. „Menschen die Ihre eigenen Kinder töten, befinden sich in einer extremen Krisensituation. Eine wesentliche Voraussetzung um rechtzeitig Zugang zu diesen Menschen zu bekommen, ist die Bereitstellung von niedrigschwelligen Hilfsangeboten, die einerseits die Anonymität wahren und andererseits unbürokratische Hilfen für die Betroffenen gewährleisten. Das nötige Netzwerk könnten Politik und Soziale Dienste gemeinsam entwickeln. Daneben brauchen wir eine Kultur des ‚Hinschauens’, der nachbarschaftlichen Verantwortung, ohne dass Menschen in die Rolle des Denunzierens kommen.“ Die Installation einer kostenfreien Hotline für besorgte Nachbarn, Freunde aber auch anderer Gruppen kann eine „Kultur der Wachsamkeit und Verantwortung“ entwickeln helfen, so Grüneberg weiter.

Kontinuierlicher Schutz von Kindern erfordert verlässliche finanzielle Rahmenbedingungen auf Landes- und kommunaler Ebene. Insbesondere eine verlässliche, am Bedarf orientierte Jugendhilfeplanung, die stärker präventiv wirken muss, gilt es bundesweit qualitativ auszubauen. Allen politisch Verantwortlichen muss die Tragweite weiterer Kürzungen im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe wie in der Stadt Halle deutlich gemacht werden. Aktionismus mit dem Ziel, kurzfristige Haushaltseinsparungen umzusetzen, verschärfen nicht nur das Risiko, dass Kinder Opfer von Gewalt und Vernachlässigung werden, sondern können auch die gerade auch von der Diakonie oft geforderte Chancengerechtigkeit nicht gewährleisten. Politik muss Ausgaben in der Kinder- und Jugendhilfe als Investition und nicht als Belastung begreifen. Wirksamer Schutz von Kindern und Jugendlichen ist nur zu erreichen, wenn alle Beteiligten innerhalb der Kinder- und Jugendhilfe, aber auch in anderen Bereichen, wie Schule und weiterer Sozialer Dienste (z.B. Familienhebammen, Schwangerschaftsberatungsstellen, Schuldnerberatungsstellen, Suchtberatungsstellen) aktiv einbezogen werden. Effektive Strukturen des Kinder- und Jugendschutzes fordern die Bündelung verschiedener Ressourcen durch Kooperation und Vernetzung.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Einrichtungen der Diakonie und in Kirchengemeinden übernehmen Verantwortung für das Kindeswohl. Sie beraten Kinder und Jugendliche und deren Familien über mögliche Hilfen. Sie motivieren sie, notwendige Hilfen in Anspruch zu nehmen. Durch niedrigschwellige Angebote muss auch der Zugang zu bisher schwer erreichbaren Familien gefunden werden.
https://www.diakonie-mitteldeutschland.de/presse_2007_kindeswohl_braucht_nachbarschaftliche_hilfe_und_professionelle_vernetzung_de.html