14.05.2008

Armuts- und Reichtumsbericht in Sachsen-Anhalt

Internationaler Tag der Familie: Kinder dürfen kein Armutsrisiko sein
Letzte Woche wurde in Sachsen-Anhalt der zweite Armuts- und Reichtumsbericht des Landes vorgestellt. Damit wurde auch eine Forderung der Sozialverbände eingelöst, auch wenn die zum Teil nicht aktuellen Zahlen die Veränderungen seit der Einführung von Hartz IV nicht ausreichend darstellen. „Ich begrüße es sehr, dass die Landesregierung einen neuen Armuts- und Reichtumsbericht vorgestellt hat. Erschreckend ist, wie deutlich nun faktisch bestätigt wird, was wir in den letzten Jahren durch tägliche Beobachtung in unseren Einrichtungen immer wieder problematisiert haben.“, erklärt Oberkirchenrat Eberhard Grüneberg, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Mitteldeutschland. Langzeitarbeitslosigkeit und der Wegfall oder die Absenkung von Sozialleistungen zeichnen inzwischen ein verheerendes Bild vor allem für die Chancen von Kindern und Jugendlichen: ein Drittel der Heranwachsenden bis 15 Jahren ist in Sachsen-Anhalt auf Sozialgeld angewiesen und gilt damit als arm. „Der Aufschwung der letzten Monate geht an Alleinerziehenden und Familien mit mehreren Kindern vorbei. Immer mehr Familien rutschen in die Existenzgefährdung, das bestätigt nun auch der Bericht der Landesregierung.“, so Diakoniechef Grüneberg. „Wir weisen seit Jahren auf eine sich stark ausbreitende Not hin, die sich vor allem darin erweist, dass Kleiderkammern, Sozialkaufhäuser und Tafeln immer stärker gefragt sind. Armut ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen.“
Gemeinsam mit anderen Sozialverbänden fordert die Diakonie eine Anpassung der Regelsätze und die Wiedereinführung von einmaligen Leistungen in besonderen Lebenslagen für Kinder und Jugendliche.
In Sachsen-Anhalt existieren in Trägerschaft der Diakonie etwa 30 Einrichtungen, die in sozialen Problemlagen Hilfe und Unterstützung anbieten, darunter auch zwölf Beratungsstellen für Schwangere, für Ehe-, Familien- und Lebensberatung. In den letzten Jahren wurden trotz des gestiegenen Bedarfs Leistungen gekürzt, Beratungsstellen nicht wiederbesetzt oder sind inzwischen unterfinanziert. Immer mehr Beratungs- und Hilfeangebote für Familien sind auf Spenden angewiesen.
„Mit unserer Aktion ‚Kindern Urlaub schenken’ weisen wir symbolisch auf die Armutsprobleme in unserem Land hin und fordern gleichzeitig dazu auf, Kinder und Jugendliche konkret in ihrer Entwicklung zu fördern.“, erklärt Eberhard Grüneberg zur Spendenkampagne der Diakonie Mitteldeutschland, die mit den Pfingstferien in diesem Jahr neu startete. „Schon mit durchschnittlich 15 Euro kann ein Kind für einen Tag an einer pädagogisch begleiteten Ferienfahrt teilnehmen oder fröhliche Ferientage in der Umgebung erleben.“ 2006 wurden in Thüringen und Sachsen-Anhalt gut 5.000 Euro gespendet, mit denen die Aktion „Kindern Urlaub schenken“ startete. 2007 waren es bereits fast 20.000 Euro. Damit wurden mehr als eintausend Urlaubstage für benachteiligte Kinder ermöglicht. In diesem Jahr möchte die Diakonie Mitteldeutschland mehr als 40.000 Euro einwerben, um noch mehr Kindern und Jugendlichen Urlaub von der Armut zu ermöglichen. Mehr Infos unter www.urlaubschenken.de, Konto 200 2000, KD Bank Magdeburg, BLZ 850 601 90.
https://www.diakonie-mitteldeutschland.de/presse_2008_armuts-_und_reichtumsbericht_in_sachsen-anhalt_de.html