04.06.2008

Therapieleistungen für behinderte Kinder in Kitas in Frage gestellt

Seit kurzem gibt es in Thüringen eine Rahmenvereinbarung für die heilpädagogische und therapeutische Versorgung von behinderten Kindern. Mit dieser neuen Frühförderungsrahmenvereinbarung fallen Ende des Jahres andere Regelungen ersatzlos weg. Die fest angestellten Therapeuten dürfen in integrativen Kindertagesstätten nicht mehr über die Krankenkasse abrechnen. Eltern aus Sonneberg und Umgebung wenden sich nun mit Protestschreiben an Landesregierung und Krankenkassen, um auf die möglichen drastischen Folgen für die Entwicklung Ihrer Kinder hinzuweisen.

Die Therapeuten müssen in Folge der neuen Vereinbarung entlassen werden. Da Hausbesuche in Kindertagesstätten nicht erlaubt sind, erhalten schwerstmehrfachbehinderte und/oder chronisch kranke Kinder somit keine therapeutischen Leistungen mehr in Ganztagseinrichtungen. Eltern befürchten eine gravierende Verschlechterung der therapeutischen Versorgung ihrer Kinder. Dass therapeutische Arbeit in aller Regel in niedergelassenen Praxen stattzufinden hat, wissen die meisten. Für viele Eltern von behinderten oder chronisch kranken Kindern ist die ausschließliche Versorgung mit Physio- und Ergotherapie oder Logopädie in einer Praxis aber oft ein Hindernis. Sie sind berufstätig und nehmen, wie andere Eltern auch, für ihre Kinder ganztägige Betreuungsplätze in Anspruch. Haben diese Kinder einen therapeutischen Förderbedarf, können sie in der Regel nicht zu den üblichen Öffnungszeiten therapeutische Behandlungen wahrnehmen. Frühfördereinrichtungen, wie das Diakoniewerk Sonneberg-Hildburghausen, haben darauf reagiert. Sie beschäftigen schon seit langen therapeutische Fachkräfte, die behinderte Kinder in Ganztagseinrichtungen betreuen und fördern.
Die Diakonie unterstützt die Elternproteste und fordert familien- und kinderorientierte Regelungen, damit die betroffenen Kinder nicht von den therapeutischen Behandlungen ausgeschlossen werden!

Auszüge aus Protestschreiben betroffener Eltern:
"Nur durch die ganzheitliche Betreuung meines Sohnes in der Kindertagesstätte konnte ich wieder anfangen zu arbeiten. [...] ... sollen wir die Therapien aufgeben und damit die Hoffnung begraben, dass unser Kind in absehbarer Zeit essen und laufen lernt?"
"Wegfallende Förderung in der Kita würde für uns mit Sicherheit ein Aus in der Weiterentwicklung bedeuten. [...] Die Streichung ... einer komplexen Förderung durch Fachkräfte ... bedeutet, dass durch diese Sparmaßnahme erhebliche Folgekosten bei einer späteren Förderung auftreten würden."
"Sicherlich stellt sich dann hier für den ein oder anderen die Frage, ob eine Behandlung bei einem freien Therapeuten überhaupt noch im erforderlichen Rahmen in Anspruch genommen werden kann bzw. ob die finanzielle Mehrbelastung noch zu bewältigen ist."

Kontakt Diakoniewerk Sonneberg-Hildburghausen:
Klaus Stark (Geschäftsführer), Tel.: (03675) 40 91 110
Fachinformation Diakonie Mitteldeutschland: Silvia Linke, Tel.: (03691) 810 105, linke(at)diakonie-ekm.de
https://www.diakonie-mitteldeutschland.de/presse_2008_therapieleistungen_fuer_behinderte_kinder_in_kitas_in_frage_gestellt_de.html