12.11.2009

Diakonie fordert: Jugendsozialarbeit stärken

Seit der Einführung von Hartz IV werden Angebote der Jugendsozialarbeit fast ausschließlich zur Verwertung auf den Arbeitsmarkt hin orientiert. Ungeklärte Zuständigkeiten zwischen Land und Kommunen führen dazu, dass die gesetzlichen Möglichkeiten zur Förderung benachteiligter junger Menschen häufig nicht ausreichend ausgeschöpft werden können.

Dazu kommt die schwache rechtliche Stellung des §13 in der Kinder- und Jugendhilfe (Sozialgesetzbuch VIII) als so genannte „freiwillige Leistung“. Inzwischen ist fast flächendeckend zu beobachten, dass notwendige Unterstützung und Förderung von Kindern und Jugendlichen Opfer der knappen Haushaltslage in den Kommunen wird.

Die Diakonie Mitteldeutschland begrüßt die Initiative des Landes Sachsen-Anhalt, die zum Landesprogramm gegen Schulverweigerung und zur Vermeidung vorzeitigen Schulabbruchs geführt hat. Trotzdem ist kritisch anzumerken, dass Jugendsozialarbeit nicht nur im Zusammenhang mit Schule sinnvoll und notwendig ist. „Die im Haushaltsentwurf von Sachsen-Anhalt geplante Reduzierung der Landesmittel für Jugendsozialarbeit ist aus unserer Sicht ein falsches Zeichen an die Kommunen“, sagte Kathrin Weiher, Vorstand Soziale Dienste der Diakonie Mitteldeutschland. In der „1. Halleschen Erklärung“ hat die Mitgliederversammlung der Diakonie Mitteldeutschland am 5. November das Problem deutlich benannt – es besteht die Gefahr, dass die Kommunen, die vom Land mehr Aufgaben und weniger Geld für Jugendsozialarbeit bekommen, an falscher Stelle sparen.

Noch gibt es ermutigende Beispiele. Heute tagt in der Zentrale der Diakonie Mitteldeutschland in Halle die Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit. Zum Thema „Jetzt schlägt`s 13! – JUGENDsozialarbeit STÄRKEN“ gibt es eine Podiumsdiskussion mit Dr. Jan Skrobanek, Leiter des Deutschen Jugendinstitutes Halle („Eine gute Jugendsozialarbeit kann Armut von Kindern und Jugendlichen verhindern.“) und Tobias Kogge, Beigeordneter der Stadt Halle („Wir sind auf einem beispielgebenden Weg“).

Das Land und andere Kommunen in Sachsen-Anhalt dafür zu sensibilisieren, dass kein Kind und kein Jugendlicher verloren gehen darf, ist das gemeinsame Anliegen der Diakonie Mitteldeutschland und der Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit.

Sachsen-Anhalt ist besonders von demografischen Entwicklungen wie Abwanderung und den Auswirkungen des Geburtentiefs Mitte der 1990er Jahre betroffen. Es muss oberstes Anliegen der Landespolitik sein, jungen Menschen Chancen und Perspektiven zu geben, auch durch Jugendsozialarbeit.

Gemeinsam mit Jugendlichen eröffneten die Tagungsteilnehmer heute eine Wanderausstellung. Unter der Überschrift „mich sehen“ zeigt die Fotoausstellung Selbstporträts von halleschen Jugendlichen. Die Ausstellung wird bis Ende November in der Diakonie-Zentrale in der Merseburger Straße 44 zu sehen sein und geht danach auf Wanderschaft durch das gesamte Bundesgebiet.

https://www.diakonie-mitteldeutschland.de/presse_2009_diakonie_fordert_jugendsozialarbeit_staerken_de.html