03.12.2010

Kürzungen bedrohen Existenz der Diakonie-Förderschulen

Nach Monaten mit Verhandlungen, Gesprächen und Protesten hat das Kultusministerium nun Berechnungen zu den künftigen Landesmitteln für Schulen in Freier Trägerschaft vorgelegt, die für die Diakonie-Förderschulen im Freistaat dramatische Folgen haben werden. „Vertreter der Regierungsparteien haben sich mehrfach öffentlich zu einem vielfältigen Bildungssystem bekannt – im Lichte der bedrohlichen Zahlen sind das alles Lippenbekenntnisse“, erklärt Oberkirchenrat Eberhard Grüneberg, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Mitteldeutschland.

Die Diakonie Mitteldeutschland hat mehrfach erklärt, dass Schulen zur Förderung von behinderten Kindern und Kindern mit einem besonderen Förderbedarf nicht wie private Schulen behandelt werden können. Grüneberg: „Es gilt schließlich eine gesetzliche Schulpflicht, die wir in unseren Diakonie-Förderschulen mit einer hohen Qualität umsetzen. Es kann nicht angehen, dass Eltern von behinderten Kindern künftig Schulgeld zahlen, so als hätten sie sich die Lernumgebung ihrer Kinder nach Gusto ausgesucht.“

Grüneberg sieht die über Jahre nach staatlichem Willen aufgebaute Förderschullandschaft nun grundsätzlich gefährdet. Offenbar sollen die gestiegenen Ausgaben für Personalkosten an staatlichen Schulen durch massive Einschnitte an Freien Schulen kompensiert werden. Der Hinweis auf einen hohen Prozentsatz von Förderschülern im Ländervergleich ist aus Sicht der Diakonie Mitteldeutschland vorgeschoben. „Diese Statistik blendet die Qualität der Beschulung und Förderung völlig aus. Die Tatsache, dass behinderte Schüler eine staatliche Regelschule besuchen, sagt noch gar nichts darüber aus, wie sie dort gefördert und auf ein Leben nach der Schulzeit vorbereitet werden.“

Grüneberg fordert deshalb eine ehrliche Debatte über die Perspektiven von Kindern, die aufgrund von Einschränkungen und Behinderungen sehr schnell ausgegrenzt werden. Ein Gemeinsamer Unterricht, wie er auch von Experten der Diakonie seit Jahren forciert wird, braucht eine besondere Ausstattung, die bisher aus finanziellen Gründen in praktisch keiner staatlichen Regelschule in Thüringen zu finden ist. Diakonie-Förderschulen sind dagegen durchaus geeignet, auch als Gemeinschaftsschulen ausgebaut zu werden. „Das staatliche Schulsystem ist auf eine individuelle Förderung und auf verschiedenste Spezialisierungen für Kinder mit Behinderungen überhaupt nicht vorbereitet“, ist Diakoniechef Grüneberg überzeugt. Dabei erhalten die Schulen in Freier Trägerschaft schon jetzt im Vergleich weniger Geld, als staatliche Schulen. Die Schmerzgrenze zur drohenden Unterfinanzierung ist längst erreicht.

Die im Kultusministerium lange unter Verschluss gehaltenen Zahlen zu den künftigen Überweisungen an die Förderschulen stellen die Diakonie-Bildungseinrichtungen vor eine extrem schwierige Situation. Ohne Entlassungen von gut ausgebildeten Lehrern wird die Reduktion nicht zu verkraften sein. Damit ist aber die Qualität des Förderunterrichtes massiv gefährdet. Behinderte Kinder und Schüler mit einem besonderen Förderbedarf stehen demnächst ohne entsprechende Alternative da. „Um künftig im Kultushaushalt zu sparen und die Ländervergleichsstatistik zu schönen, nimmt die Landesregierung deutliche Nachteile für behinderte Kinder und deren Familien in Kauf“, stellt Grüneberg fest.

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