09.03.2017

Lichtstreif am Horizont für Schulbildung und Inklusion in Thüringen

Am 14. März wird sich der Koalitionsausschuss der Regierungsparteien im Freistaat Thüringen Medienberichten zufolge auch mit der Kritik am Entwurf zur Überarbeitung des Schulgesetzes befassen. In einem Zeitungsinterview erklärte Ministerpräsident Bodo Ramelow, die notwendigen strukturellen Veränderungen in der Thüringer Schullandschaft und in der Schulfinanzierung bräuchten „Qualität vor Geschwindigkeit“.

Oberkirchenrat Eberhard Grüneberg, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Mitteldeutschland: „Die Äußerungen des Ministerpräsidenten sind für mich ein Lichtstreif am Horizont. Bislang zog in der Debatte um das Bestehen der Förderschulen eine dunkle Wolke nach der anderen auf.“ Seit mehr als zehn Jahren sehen sich die Förderschulen der Diakonie durch Finanzierungsregelungen und Gesetzesänderungen immer wieder in ihrer Existenz bedroht. Dabei wurde der Ausbau der Förderschulen in gemeinnütziger Trägerschaft in den Jahren zuvor gefördert, weil die besondere pädagogische und therapeutische Begleitung für Kinder mit Einschränkungen und Behinderungen nachweislich Vorteile schafft.

Diese Vorteile bestehen bis heute. Wo aber punktuelle Förderung im gemeinsamen Unterricht unter dem Diktat der Kostensenkung erfolgt, fehlt der Nachweis einer verbesserten Situation für betroffene Schüler. Eltern, Lehrer und Schüler beschreiben diese Praxis immer öfter als Überforderung. Inklusiver Unterricht ohne ausreichende  personelle Untersetzung, insbesondere auch mit Sonderschulpädagogen, funktioniert nicht und steht dem Interesse förderbedürftiger Kinder entgegen.

Grüneberg: „Förderschulen dagegen verhindern keine Inklusion, sondern steigern die Chancen auf gesellschaftliche Teilhabe. Förderzentren erhalten heißt nicht, die Inklusion hintanzustellen. Im Gegenteil: die gute Arbeit in den Förderzentren schafft Möglichkeiten, die sich durch ein paar Förderstunden im gemeinsamen Unterricht an staatlichen Schulen längst nicht ergeben.“

Diakoniechef Grüneberg verbindet mit dem angekündigten Zeitgewinn und der Arbeit der Kommission zur Zukunft der Schulen in Thüringen nicht einfach die Hoffnung auf einen Aufschub, sondern auf ein neues Gesprächsangebot: „Wenn der Ministerpräsident sagt, ihm gehe Qualität vor Geschwindigkeit, können wir hoffen, dass die Expertise der Förderzentren der Diakonie in den Kommissionsbericht mit einfließt und dass es nun intensive Gespräche zwischen Landesregierung und den Trägern von Förderzentren gibt. Die Bereitschaft zur Weiterentwicklung ihrer Schulstandorte hin zum gemeinsamen Unterricht ist jedenfalls bei den Förderzentren gegeben, die dafür ohnehin schon jetzt beste Voraussetzungen bieten.

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