Jahreslosung 2019

 

Suche Frieden und jage ihm nach!

Psalm 34,15

Gedanken zur Jahreslosung 2019

Das passt doch nicht zusammen, „Frieden“ und „jagen“? Mischen sich da nicht Vorstellungen von Gewalt mit einem Ideal, das jeden Übergriff ausschließt? Es geht um ein friedliches Leben miteinander und zugleich um das Jagen, bei dem nur einer siegt. Der 34. Psalm wird von Menschen gebetet, die noch nichts wussten von globaler Umweltzerstörung, von nationalstaatlichen Interessen und internationalen Konflikten. Das Nachjagen steht für die alltäglichen Anstrengungen, um zu überleben. Und dass Frieden in dieser Welt und zwischen den Menschen großer Anstrengungen bedarf, wissen wir auch heute. Vom Kampf um den Frieden wurde bis zum Mauerfall gern gesprochen. Frieden verteidigen ist bis heute ein wichtiger Begriff in der Außenpolitik.

In der Jahreslosung geht es um eine innere Orientierung und eine Aufforderung, die im Singular formuliert ist und sich damit an den Einzelnen richtet. Da heißt es im Psalmtext vorher: „Wer möchte gern gut leben und schöne Tage sehen? Behüte Deine Zunge vor Bösem und deine Lippen, dass sie nicht Trug reden. Lass ab vom Bösen und tu Gutes; suche Frieden und jage ihm nach!“ (Verse 13-15). Hier finde ich die aktuellen Themen in unserer Arbeit und in den gesellschaftlichen Debatten wieder.

Wer dafür arbeitet, dass Menschen gut leben können, dass sich Lebenssituationen verbessern, der leistet einen Friedensdienst. Die Konflikte in einzelnen Regionen dieser Welt zeigen, dass Bürgerkriege, Gewalt und Vertreibungen oft mit Ausgrenzung beginnen, mit übler Nachrede, die sich auf Menschen bezieht, die einem bestimmten Milieu, einer anderen Volksgruppe oder Glaubensrichtung angehören. Dann werden Lügen verbreitet und bewusst Hass und Unfrieden geschürt. Wenn sich dann der Gedanke verfestigt, dass andere mein gutes Leben, meinen Status und meinen Frieden bedrohen, dann ist die Bereitschaft zur gewalttätigen „Selbstverteidigung“ groß.

Wir leben in einem Land, das konkrete Vorstellungen von einem guten Leben für alle Menschen im Grundgesetz verankert hat. Wahrung der Würde jedes Menschen, Gleichberechtigung, achten von Religion und Kultur des anderen, Zuflucht für politisch Verfolgte. Diese Rechte sind Grundvorstellungen unserer Gesellschaft, an deren Gestaltung wir in der Diakonie ganz wesentlich mitarbeiten. Mit unserem Dienst „jagen“ wir dem Frieden nach. Wir tun es, wenn wir uns dafür einsetzen, dass Menschen aus der Armutsfalle herauskommen, dass alle Kinder und Jugendliche gute Bildungschancen erhalten, jeder Mensch sich in Würde einen ausreichenden Lebensunterhalt erarbeiten kann. Wir jagen dem Frieden nach, wenn wir Barrieren abbauen, die Menschen wegen einer Behinderung, wegen ihrer Religion und Herkunft oder wegen ihres Geschlechts nur schwer oder gar nicht überwinden können. Und wir setzen uns dafür ein, dass Menschen in für sie schwierigen Lebenssituationen ihren Frieden finden können, zum Beispiel, wenn es um die Begleitung von Kranken, Pflegebedürftigen und Sterbenden geht.

Das sind große Aufgaben, die auch einen großen Anspruch formulieren. Lassen Sie sich miteinander von der Jahreslosung stärken und ermutigen für Ihren Dienst in der praktischen Nächstenliebe. Denn neben der Aufforderung, selbst aktiv zu sein, enthält der Psalm 34 auch die Zusage (in Vers 20): „… aus alledem hilft ihm der Herr.“

Oberkirchenrat Christoph Stolte

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