Was stimmt uns zuversichtlich?

03.12.2025

Am 20. November 2025 stellte Oberkirchenrat Christoph Stolte, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Mitteldeutschland, einen Bericht auf der Herbstsynode der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland vor. Darin erläuterte er die aktuelle Situation, Themen und Herausforderungen der diakonischen Arbeit. Bedingungen verändern sich gerade und sozialstaatliche Grundprinzipien werden häufiger in Frage gestellt. Wie kann man angesichts dieser Situation zuversichtlich bleiben? Diese Frage stellte Christoph Stolte seinem Bericht voran. Seine Antwort darauf lesen Sie in diesem Blog.

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Oberkirchenrat Christoph Stolte ist der Vorstandsvorsitzende der Diakonie Mitteldeutschland. Am 20. November 2025 stellte er seinen Bericht den Synodalen der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland vor. (Foto: Evangelische Kirche in Mitteldeutschland)

Was stimmt uns zuversichtlich? Wenn ich mich umsehe und umhöre, treffe ich oft auf Sorge um die Zukunft. Wie verändert sich unsere Gesellschaft? Wie verändert sich das politische Klima? Wie verändert sich die Kommunikation untereinander? Wie verändert der Krieg Russlands gegen die Ukraine und dass militärische Aufrüsten unser Land? Sie können die Liste der Fragen für sich schnell fortsetzen. Die Sorgen sind berechtigt und ich teile davon viele. Dabei ist Zuversicht uns als Christinnen und Christen aufgetragen.

Im 2. Timotheusbrief heißt es: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“
Nun lässt sich Furcht nicht einfach abstellen, schon gar nicht, wenn es eher ein unterschwelliges Gefühl ist. Ob nun die Bedrohung der äußeren Sicherheit, unserer offenen, vielfältigen und demokratischen Gesellschaft oder der Abbau von Unterstützung für Menschen in schwierigen Lebenssituationen, alles dieses erzeugt ein diffuses Gefühl von Unsicherheit und Furcht vor dem, was kommen mag. Was ich aber beeinflussen kann, ist die Haltung, mit der ich mit diesem Gefühl umgehe. Paulus betont gegen den Geist der Furcht den aus dem Wagnis des Glaubens kommenden Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.

Denn eines steht nicht in Frage: Die Zuwendung Gottes zu uns! Sein barmherziges Zugehen und Mitgehen mit jedem von uns und auch unserer Gemeinschaft als Kirche Jesu Christi. „Ich erhebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat“ spricht der Beter des 121. Psalms. Aus dieser Perspektive kommt der Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit immer neu zu uns, nicht aus uns selbst, sondern als Gabe Gottes.

Ein Blick hinter die Kulissen: Die Synode wurde live auf YouTube gestreamt. Dort können Sie den vollständigen Bericht von Christoph Stolte ansehen. (Foto: Evangelische Kirche in Mitteldeutschland)

Es gilt der Geist der Liebe zum anderen Menschen, also immer zuerst den Menschen zu sehen, auch wenn mir seine Worte und sein Agieren nicht gefallen, auch wenn er aus einem fremden Land kommt. Es gilt immer wieder neu das Miteinander zu suchen. Und ohne jede Wertung untereinander kraftvoll für ein würdevolles und friedliches Leben aller Menschen einzutreten. Manchmal auch kraftvoller, als es die eigene Kraft scheinbar ermöglicht. Dafür steht nach meinem Verständnis das Wort Zuversicht, ein Vertrauen auf eine gute Entwicklung in der Zukunft, die von Gott her kommt und in die wir mit unserem Leben und Handeln mit hineingenommen sind. Besonnen bleiben bedeutet dann weder zu erstarren noch aktionistisch zu werden. Einen klaren Blick behalten, realistisch, ja auch illusionslos. Zuversichtlich sein in einem von Gott kommenden Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.

Wo wird das spürbar? Zuversichtlich und auch dankbar stimmen mich die Menschen, die laut und leise ihre Stimme erheben für eine demokratische und vielfältige Gesellschaft und ein soziales Miteinander.

Zuversichtlich und dankbar stimmen mich die mehr als 35.000 Frauen und Männer in den über 2.000 Diensten und Einrichtungen der Diakonie in Mitteldeutschland, die je an ihrer Stelle aktiv Verantwortung tragen. Zuversichtlich und dankbar stimmen mich meine Kolleginnen und Kollegen in der Geschäftsstelle der Diakonie Mitteldeutschland, die mit großem Einsatz, hoher Expertise und Erfahrung unermüdlich daran arbeiten, dass die Rahmenbedingungen für die Leistungserbringung der Mitglieder professionelle Hilfe und Unterstützung möglich machen.

Zuversichtlich stimmen mich Mut und Hoffnung, die in unserer Kirche erlebbar sind, ein gutes Wort und das Gebet der Menschen an unserer Seite. Das alles will ich – wenngleich es mir manchmal schwerfällt – nicht vergessen und in mir wachhalten. Und ich bin dankbar für die Menschen, die mich immer wieder daran erinnern.

Hintergrund: Die Synode der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland ist das wichtigste Entscheidungsgremium für kirchliche Angelegenheiten im Gebiet der Landeskirche. Sie besteht aus Theologinnen und Nicht-Theologen, Gewählten und von Amtswegen Berufenen und tritt zweimal im Jahr zusammen. Die Diakonie Mitteldeutschland ist traditionell auf der Herbstsynode mit einem Bericht vertreten, der den Synodalen einen Einblick in die diakonische Arbeit gibt. Den kompletten Bericht von Oberkirchenrat Christoph Stolte können Sie bei YouTube ansehen.