Jordanien Tag 4: Von neuer Zukunft - Organisation der Geflüchtetenhilfe

(22. März 2018) An der Pinnwand von Amira Hamadeh ist zu lesen: „God’s love for others does not stop at the border; neither should ours.” (Gottes Liebe für andere endet nicht an der Grenze, unsere sollte es auch nicht.) Amira ist Ärztin, die uns mit Schwester Eva Otela voller Stolz durch das Health Assessment Center von IOM in Amman führt. Das Assessment Center ist ein ambulantes Zentrum zur Untersuchung und Vorbereitung der Ausreisen von Geflüchteten im Rahmen von Resettlement Programmen.

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Health Assessment Center des IOM in Amman (Foto: Holger Holtz)

Menschen, die für das Programm ausgewählt wurden, durchlaufen hier umfangreiche Gesundheitschecks. In dem Center werden pro Tag bis zu 100 Menschen behandelt. Durch einen gut strukturierten Aufbau des Centers und geschultes, eingespieltes Personal gelingt es, trotz der großen Menge, eine menschennahe Atmosphäre zu schaffen. Sicher: es sind nur wenige Menschen, die durch ein Resettlement-Programm eine neue Heimat finden. Aber für sie verändert sich durch IOM die Welt. Wir merken, wie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zurecht stolz sind, Teil dieses grenzüberschreitenden Programmes zu sein.

Ein weiterer Besuchstermin führte uns in das Innenministerium des Königreichs Jordanien, genauer in die Zivilschutzbehörde. Dort wurden wir von General Dr. Marwan Bader Al-Smei’at und seinem Team empfangen. Die Zivilschutzbehörde stellt Feuerwehr und medizinische Hilfe sowie Krisenintervention und Katastrophenmanagement zur Verfügung. Ihr Dienst entspricht dem des Technischen Hilfswerkes (THW), Roten Kreuzes und der Bundeswehr. Seit der Staatsgründung Israels 1948 kümmert sie sich in verschiedenen Bereichen auch um die Belange von Geflüchteten. Mit Beginn der Syrienkrise zählt die Behörde 60.000 Einsätze unter anderem in den Flüchtlingscamps.

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Im Konferenzraum des jordanischen Zivilschutzes (Foto: Conrad Springer)

Seit 2012 versucht der Zivilschutz, Ehrenamtliche in ihre Aufgaben einzubeziehen. Um dieses Ziel zu erreichen und stabile Strukturen aufzubauen, arbeitet der Zivilschutz seit Oktober 2017 mit dem deutschen THW zusammen. Die Behörde bat uns, unsere Erfahrungen zur Bedeutung ehrenamtlicher Arbeit wiederzugeben. Rabah-Melodie Moussa erklärte in ihrem Vortrag unter anderem, dass Deutschland ohne Unterstützung Ehrenamtlicher die Aufgaben in der Flüchtlingshilfe 2015/16 nicht hätte bewältigen können.

Dr. Al-Smei’at betonte: „Wir brauchen die Ehrenamtlichen“.

Der stellvertretende Botschafter Deutschlands, Ralf Schröer, führte in einem dritten Termin an diesem Tag in die Situation Jordaniens aus deutscher Sicht ein. Er hob hervor, dass Jordanien im Mittleren Osten ein stabiles Zentrum darstellt, in das die Bundesrepublik Geld zur Stabilisierung investiert. 2017 flossen 600 Millionen Euro vornehmlich für erneuerbare Energien, Wasser-Infrastruktur, Erziehung, Bildung und Flüchtlinge in das Land.

Die Belange von Geflüchteten bestimmen die tägliche Arbeit der Botschaft. Im Jahr 2017 wurden 25.000 Visaanträge in der Botschaft gestellt – fünf Mal mehr als 2015. Vorrangig geht es hierbei um Familienzusammenführung.

Um diese Aufgabe zu bewältigen, wurde eine Kooperation mit IOM eingegangen. Seit Februar 2018 bereitet IOM die Visaanträge vor und gewährleistet den Informationsfluss. Alle Antragsteller werden seither an IOM verwiesen. Erst wenn die Unterlagen vollständig sind, erfolgt die Terminvergabe bei der Botschaft. Auf diese Weise soll die Wartezeit von derzeit mindestens sechs Monaten verkürzt werden.

Wir spürten heute wieder die Spannung zwischen der deutschen Gesetzeslage und den persönlichen Bedarfen der Geflüchteten, welche unsere Beraterinnen und Berater aus der täglichen Arbeit kennen. Empathie und Zugewandtheit, den Geflüchteten zur Seite stehen und dabei Grenzen überwinden ist entscheidend. Gibt es einen Weg, den getrennten Familien besser gerecht zu werden? Können Resettlement-Programme eine Möglichkeit sein?

Morgen lesen Sie über die Arbeit der Schneller-Schule in Amman und erhalten einen direkten Einblick in die Diakonie Katastrophenhilfe, die seit kurzem einen Stützpunkt in Amman betreibt.

Text: Conrad Springer, Susanne Burckhardt, Antje Roloff, Holger Holtz

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